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Handwerker, Erfinder und Fabrikanten aus Marktoberdorf
Auszug aus: Chronik der Fendt von Oberdorf von Prof. Dr. Heinrich Fendt, zusammengestellt und
kommentiert aus den Aufzeichnungen und Sammlungen von Josef Fendt sen. Tradition ist nicht die Bewahrung der Asche, Die Oberdorfer (heute Stadt Marktoberdorf) Fendt können auf eine nahezu 400-jährige handwerkliche Tradition zurück blicken. Vor allem wurde das Schlosserhandwerk ausgeübt, doch finden sich unter den Ahnen auch Geigenbauer, Goldschmiede und Fabrikanten. Immer aber führte die Tüchtigkeit des Allgäuers zu interessanten und anerkannten technischen Neuerungen sowie zu geschäftlichem Erfolg.
Die Bleizugmacher Von den Oberdorfer Fendt-Familien
wurden über einen Zeitraum von 350 Jahren Bleizüge hergestellt.
Bleizüge sind Werkzeuge, mit deren Hilfe vorgeformte Bleiprofile im
kombinierten Gleitzieh- und Walzverfahren durch ein fest stehendes Ziehwerkzeug
(Gleitbacken) gezogen und zu sogenannten Bleisprossen bzw. Bleiruten
kalt umgeformt werden. Bleisprossen mit unterschiedlichen Profilen werden
bei der Verglasung von Fenstern (Bleiverglasung) benötigt und sind
heute vor allem noch bei den bunten und bemalten Kirchenfenstern anzutreffen.
Nach geschichtlichen Unterlagen sind Bleizüge seit dem 16. Jahrhundert
bekannt.
Dominikus - geboren 1751 - hat das Schlosserhandwerk von seinem Vater Anton (1718 bis 1764) und seinem Großvater Johann (1691 bis 1765) - einem "höchst lobenswürdigem Mann" - erlernt. Auch dessen Vater Andreas (1659 bis 1714), im Traubuch als "in seinem Handwerk berühmt" bezeichnet, dürfte Bleizüge hergestellt haben. Bekannt ist ein von ihm kunstvoll gestaltetes Altargitter in der Kirche St. Stephan in Oberthingau von 1708.
Johann Michael Fendt (1761 bis 1806) - ein Halbbruder von Dominikus - widmete sich ebenfalls der Herstellung von Bleizügen. Sein Hauptaugenmerk galt allerdings dem Turmuhrbau, mit dem er es zu überregionaler Anerkennung brachte. Am 17.02.1788 heiratete er Kreszens Schmid und zog von Oberdorf in den benachbarten Weiler Ronried. Auch sein Sohn Peter Paul Fendt (1792 bis 1877) betrieb dieses Handwerk des Bleizugmachers von Ronried aus mit großem Erfolg weiter. So wurde er im Jahre 1834 auf der Bayerischen Industrieausstellung in München für einen ausgestellten Bleizug mit einer Bronzemedaille ausgezeichnet.
Bronzemedaille der Bayerischen Industrieausstellung 1834
Im Jahr 1857 kehrte Peter Paul mit seinen Söhnen Franz Xaver (1834 bis 1899) und Theodor (1837 bis 1907) nach Oberdorf zurück und bezog das Haus Nr. 17 1/3. Der Oberdorfer Chronist Simon Baumann vermerkte 1864 dazu: "Gewerbe: Ein Großuhrmacher, der auch Bleizüge verfertigt, die wegen ihrer Güte sehr geschätzt sind und deren Anfertigung sich schon mehr als 100 Jahre in der Familie forterbt." Die Brüder Franz Xaver und Theodor fertigten unter dem Namen Gebrüder Fendt ebenfalls Bleizüge, Glasrundschneidmaschinen und Turmuhren. Sie unterhielten internationale Geschäftsbeziehungen bis in die Vereinigten Staaten. Auf der Weltausstellung im Jahre 1873 in Wien waren sie mit einem Bleizug vertreten. Nach der Erfindung eines Bügelverschlusses für Bleizugmaschinen durch Theodor Fendt (Patent 58172 von 1891) wurde die Fa. Gebrüder Fendt am 1. Mai 1892 aufgelöst und in Einzelfirmen umgewandelt. Die Brüder Franz Xaver und Theodor firmierten und fertigten nunmehr getrennt in eigenen Werkstätten. Franz Xaver Fendt (1834 bis 1899) stellte die Bleizüge in seiner neu erbauten Werkstatt (1891) statt mit der bisher üblichen Schraubenspannung nun mit doppelter Schneckenspannung her. Dafür ist ihm vom Kaiserlichen Patentamt mit Wirkung vom 7. Oktober 1897 ein Patent erteilt worden. Johann Georg Fendt (1868 bis 1933) hat den Betrieb 1898 von seinem Vater übernommen und belieferte auch weiterhin Kunden im In- und Ausland. Waren die Bleizüge bisher mit einer Kurbel für den Handbetrieb versehen, so stattete er sie mit einem Kraftantrieb aus. Seine Söhne Xaver (1907 bis 1989) und Hermann (1911 bis 1995) haben von ihrem Vater noch die Herstellung von Bleizugmaschinen erlernt. Das Gesellenstück von Hermann Fendt aus vom Jahre 1927 ist ein elektrisch angetriebener wassergekühlter Bleizug mit einem im Ölbad laufenden Schneckenantrieb. Im Lauf der Jahre hat sich die Firma immer mehr dem Maschinen- und Fahrzeugbau zugewendet, so dass die Bleizugfertigung hier um 1928 eingestellt wurde. Theodor Fendt (1837
bis 1907) zog nach seiner Verheiratung 1867 in das Haus Nr. 29, wo er neben
Bleizügen auch Turmuhren herstellte.
Seine
Bleizüge waren mit patentiertem Bügelverschluss (Patent
58172) versehen und
Welcher der Urahnen die ersten Turmuhren gefertigt hat, ist nicht genau festzustellen. Nach vorliegenden Unterlagen dürfte bereits Andreas Fendt [1659 bis 1704) Turmuhren gebaut haben. Von seinem Sohn Johann (1691 bis 1765) liegen Konstruktionszeichnungen von Kirchturmuhren vor. Anton Fendt (1718 bis 1764) und Johann Michael Fendt (1761 bis 1806) werden in Kirchenbüchern als Uhrenmacher genannt. Peter Paul Fendt [1792-1877] hat das Handwerk des Uhrenmachers erlernt und nachgewiesen, dass er bereits seit 1834 eine laufende Produktion von Turmuhren unterhielt. So sind zwei Uhren aus den Jahren 1849 und 1865 im Turmuhren-Museum in Mindelheim ausgestellt. Seine beiden Söhne Xaver [1834-1899] und Theodor [1837-1907] haben den väterlichen Betrieb unter der Firma Gebrüder Fendt weitergeführt. Im Jahr 1867 wurde eine Kirchturmuhr nach Schönberg geliefert, die dort bis 1970 ihren Dienst getan hat. Weitere Uhren wurden aufgestellt 1867 in Hirschzell, 1877 in Blonhofen, 1882 in Untergermaringen und Altusried sowie 1886 in Oberreute.
über. "Durch Anschaffung
der neuesten und zweckdienlichsten Arbeits- und Werkzeugmaschinen, welche
durch Dampfkraft betrieben werden, ferners durch Heranbildung und Erhaltung
bewährter Arbeitskräfte ist mir nunmehr ein rationeller
Fabrikationsbetrieb
von Turmuhren ermöglicht und setzt mich in die Lage, ein Fabrikat
erster Güte zu verhältnismäßig sehr billigen Preisen zu
liefern." (Special-Catalog, Theodor Fendt, Oberdorf bei Biessenhofen)
Theodor Fendt lieferte 1893 Turmuhren auch an die Nachbargemeinden Bernbach und Absams
sowie 1894 nach Lengenwang.
1906 hat die Firma auf der Bayerischen Jubiläumsausstellung in Nürnberg wieder mit großem Erfolg ausgestellt und ihre Produkte auf Ausstellungen in Tirol und bis nach Südafrika präsentiert.
Kostenvoranschlag für die Missionskirche in Ratschitz, Natal, Südafrika 1911
Außer Turmuhren in allen Größen umfasste das damalige Sortiment auch "Uhren für Bahnhöfe, Schul- und Rathäuser, Schlösser, Fabriken und öffentliche wie private Gebäude". Clemens Fendt jun. [1903 bis 2001) trat 1926 in den Betrieb des Vaters ein. Mit dem zweiten Weltkrieg hat das Unternehmen die Herstellung von Turmuhren eingestellt, da dieser Betriebszweig durch den Wandel der Bauformen und die technische Entwicklung für den Handwerksbetrieb nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben war. Damit endete eine 200-jährige Tradition der Uhrenmacher Fendt. Clemens Fendt widmete sich neben der Herstellung von Bleizügen ab 1934 der Fertigung von landwirtschaftlichen Fahrzeugen und Anhängern. An die Tradition der Uhrenmacher knüpfen in neuerer Zeit die Uhrstudien von Prof. Dr. Heinrich Fendt an. Die Schlepperbauer und Fabrikanten Der Mechanikermeister Johann Georg Fendt (1868 bis 1933) - genannt Jörgl - hat 1898 die elterliche Schlosserei mit dem landwirtschaftlichem Anwesen an der Jahnstraße übernommen. Der Schwerpunkt seiner Tätigkeit blieb die gut eingeführte Fertigung von Bleizügen, worin er auch seine Söhne Xaver (1907 bis 1989) und Hermann (1911 bis 1995) ausbildete (vgl. Die Bleizugmacher). Mit der fortschreitenden Motorisierung von Gewerbe und Landwirtschaft wandte sich der Betrieb immer mehr dem Maschinen- und Fahrzeugbau zu, so dass die Bleizugherstellung um 1928 ganz eingestellt wurde. Ein neues Standbein sah Johann Georg Fendt vor allem in der Technik der Verbrennungsmotoren, die er in Form stationärer Einzylinder-Benzol-Motoren für Gewerbe und Landwirtschaft nutzbar machte. Aus eigener landwirtschaftlicher Erfahrung wusste er, dass die bäuerlichen Betriebe insbesondere für die körperlich äußerst anstrengende Halmfuttergewinnung nach Mechanisierungshilfen verlangten. So war es wohl auch der Kundenkontakt mit dem Wagnermeister Lukas Heel aus Schwangau, der Johann Georg Fendt 1927 zum Bau von motorisierten Erntehilfen inspirierte. Heel arbeitete damals an einem Fahrzeug, bestehend aus einem McCormick-Gespann-Grasmäher mit lenkbarem hölzernen Vorderkarren sowie einem - von Fendt gelieferten - aufmontierten 3PS-Benzinmotor, das eigenständig fuhr und dabei auch den Mähbalken antrieb. Angeregt durch diese Arbeiten wurde in der Fendt´schen Werkstatt in der Jahnstraße 1927 mit den ersten Umbauten an einem Gespannmäher begonnen, nur sollte der Benzinmotor – anders als bei Heel - vor den Fahrersitz montiert werden. Die Sicht des Fahrers auf den Motor war Johann Georg ebenso wichtig wie eine bessere Verteilung des Fahrzeuggewichts. Diese ersten Ideen wurden in den damals noch kleinen und engen Verhältnissen unter mannigfachen Schwierigkeiten weiter entwickelt und verfeinert bis schließlich 1928 der erste Fendt-Motormäher auf dem Bauernhof von Johann Strobel in Burk bei Bertoldshofen seine Praxistauglichkeit unter Beweis stellen konnte. Ein auf einen Rahmen gesetzter 4-PS-Viertakt-Benzinmotor der Firma Deutz trieb die Fahrkupplung und das von Opel gelieferte Schaltgetriebe mit drei Vorwärtsgängen und einem Rückwärtsgang über Kettengetriebe, Ritzelwelle und Innenverzahnung bis zur Hinterachse an.
Hermann Fendt nannte den kleinbäuerlichen Schlepper Dieselross: "Als maschinelle Hilfskraft des Landwirts, dem es das Pferd ersetzt, empfanden wir den Traktor als Stahlross, dem wir - mit Rücksicht auf seine Dieselspeise - glaubten, gerechterweise den Namen Dieselross geben zu müssen." Der erste europäische Diesel-Kleinschlepper mit einer Mähleistung von zwei Tagwerk in der Stunde wurde 1930 an den Landwirt Peter Guggemos aus Burk bei Seeg im Allgäu ausgeliefert. Das zweite Fendt-Dieselross mit Dieselmotor erwarb noch im selben Jahr der Oberdorfer Landwirt und Brauereibesitzer Franz Sailer. Auf der "Landwirtschaftlichen Ausstellung" in München 1933 wurde der Diesel-Kleinschlepper der Öffentlichkeit vorgestellt. Zu einer Zeit also, zu der die bereits groß gewordenen Schlepperfirmen Fahrzeuge mit Glühkopf-, Vergaser- und Dieselmotoren mit einer Leistung von etwa 28 PS an landwirtschaftliche Groß- und Mittelbetriebe lieferten, begann die Firma Xaver Fendt den Schlepperbau mit Blick auf die kleinbäuerlichen Betriebe. Die Jahresproduktion bei handwerklicher Fertigung mit fünf Mitarbeitern betrug 1933 drei Dieselrösser. Mit einer Vertriebspartnerschaft mit der Bayerischen Warenvermittlung (heute BayWa AG) wurde 1935 der Grundstein für ein stetiges Wachstum der Firma gelegt. 1937 erfolgte die Inbetriebnahme der ersten großen Werkshallen, in denen die Dieselrösser F 18 und F 22 gebaut wurden. Diese Baureihen überzeugten viele Bauern in Bayern, so dass 1938 bereits das 1.000ste Dieselross vom Band lief. Doch Ende der 30er Jahre folgte kriegsbedingt ein dramatischer Niedergang von Produktion und Nachfrage. Gestützt auf jahrzehntelange Erfahrung im Präzisionsmaschinenbau stellten auch Clemens Fendt (1869 bis 1950) und sein Sohn Clemens Fendt jun. (1903 bis 2001) ähnliche
Überlegungen an wie Hermann Fendt und entwickelten einen kettenlosen
Universal- Bauernschlepper, dem sie den Namen Mammut gaben.
Der damals bereits luftbereifte Schlepper wurde von ein- bzw. zweizylindrigen
Viertaktmotoren mit 14 bzw. 22 PS angetrieben und galt technisch als ausgereift
und überaus fortschrittlich. Zwischen 1934 und 1936 konnten bereits
30 Schlepper gebaut und verkauft werden.
1939 musste Clemens Fendt die Fertigung des Mammut aufgrund der Materialbewirtschaftung des Dritten Reiches aufgeben. Das Aus für den zweiten Oberdorfer Traktor-Fabrikanten blieb damit nicht dem freien Spiel der Marktkräfte vorbehalten, sondern wurde im Schlepperausschuss in Berlin (Vorsitz Dr. Rieke) entschieden und von staatlicher Seite verordnet. Neben der Firma Xaver Fendt konnte von den regionalen Herstellern auch die Fa. Martin in Ottobeuren ihre Traktorenproduktion fortführen. Als Ersatz spezialisierte sich die Firma Clemens Fendt KG neben der Herstellung von Kirchturmuhren und Bleizügen auf die Fertigung von luftbereiften Gespannwagen und landwirtschaftlichen Anhängern, die als Produkte von hoher Qualität überregional ihre Abnehmer fanden. Clemens hat die industrielle Fertigung 1970 altersbedingt aufgegeben. Nach dem kriegsbedingten Ausscheiden der Clemens Fendt KG aus dem Zugmaschinenbau konzentrierte sich in Oberdorf die Produktion von Schleppern auf die Firma Xaver Fendt - Maschinenbau:
Sonstige Handwerker und Fabrikanten Der Kardanantrieb am Fahrrad ist so alt wie das Jahrhundert: Bereits vor etwa 90 Jahren erschien als eines der ersten das berühmte Dürkopp-Modell auf dem Markt, geriet jedoch bald wieder in Vergessenheit. So blieb es Peter Fendt (1950), dem Sohn von Hermann Fendt, vorbehalten, das nach wie vor vernünftige Antriebskonzept zu Beginn der achtziger Jahre wieder zu beleben. Seit 1980 entstanden 9000 Kardanräder, von denen ein Großteil zusätzlich mit einer Hinterradfederung ausgerüstet ist.
Die
Kombination von weitgehend wartungsfreiem Kardanantrieb und gefedertem
Hinterrad und die damit erreichte Exklusivität entwickelte sich zum
Markenzeichen des Herstellers, der im oberbayerischen Haag produzierte.
Aufgrund eines industriellen Engagements auf dem Gebiet der Forst- und
Seilwinden verkaufte Peter Fendt 1987 sein Fahrradunternehmen.
Fendt-Kardan-Fahrräder werden heute produziert bei: www.fendt-kardan-fahrrad.de
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Auf der Grundlage dieser Aufzeichnungen sowie von persönlichen Gesprächen mit Mitgliedern der Familie produzierte der Bayerische Rundfunk einen Hörfunkbeitrag über die Oberdorfer Fendt´s mit dem Titel "Mit dem Dieselross das Allgäu aufgezäumt", der im Rahmen der Sendereihe "Tradition verpflichtet" am 6.1.1998 ausgesendet wurde. Zur Sendung ist ein Begleitbuch "Tradition verpflichtet – Große Familien in Bayern" erschienen. |
www.fendt.de